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title: "SpaceX: Der Sonnensturm, der 40 Satelliten vom Himmel holte"
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source: https://www.zeit.de/wissen/2022-02/spacex-starlink-satelliten-sonnensturm-elon-musk/komplettansicht
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## [SpaceX: Der Sonnensturm, der 40 Satelliten vom Himmel holte](https://www.zeit.de/wissen/2022-02/spacex-starlink-satelliten-sonnensturm-elon-musk/komplettansicht)
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Eigentlich ist die Eroberung des Erdorbits für [Elon Musk](https://www.zeit.de/2021/49/elon-musk-spacex-tesla-treffen-journalismus) ja nur noch eine Formsache. Seit Jahren schießt der Tesla-Chef mit seiner Raketenfirma SpaceX Monat für Monat neue [Satelliten](https://www.zeit.de/thema/satellit) ins All. Sie gehören zu einem [Projekt namens Starlink](https://www.zeit.de/digital/internet/2021-12/starlink-elon-musk-internet-satelliten-space-x), mit dem Musk die Erde flächendeckend mit Highspeedinternet versorgen will. 1.913 der dafür nötigen Satelliten sind bereits im Orbit – Zehntausende weitere sollen folgen.
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Doch nun musste SpaceX einen überraschenden Rückschlag vermelden: Gleich 40 Starlink-Satelliten werden in den nächsten Tagen zurück zur Erde stürzen und in der Atmosphäre verglühen. Schuld ist eine Wolke geladener Teilchen aus der Sonne, ein geomagnetischer Sturm. Bereits am 3. Februar [traf er die Erde](https://www.swpc.noaa.gov/news/geomagnetic-storm-conditions-likely-2-3-february-2022) und heizte dabei die obere Atmosphäre so weit auf, dass sie sich vorübergehend etwas ausdehnte. Die frisch ausgesetzten Starlink-Satelliten wurden dadurch stärker als geplant vom Luftwiderstand gebremst und sinken nun dem Hitzetod entgegen.
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## Meist schießt die Sonne daneben – aber eben nicht immer
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"So etwas ist noch nie passiert", sagt Christian Möstl vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er und andere Experten verfolgen die Situation seit Tagen – und sehen darin auch eine Mahnung. Zum einen, weil es im Erdorbit immer voller wird und sich Unternehmer dabei mitunter zu wenig Sorgen um die Folgen machen. Zum anderen, weil der geomagnetische Sturm bloß ein Vorgeschmack auf weitere solcher Ereignisse sein könnte.
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Die Sonne, 149 Millionen Kilometer von uns entfernt, ist Quell allen Lebens – und bei genauerer Betrachtung auch eine Zeitbombe. Regelmäßig schleudert sie gewaltige Ladungswolken ins All, Forschende sprechen von "koronalen Massenauswürfen". Meist verfehlen sie die Erde. Und wenn sie ein paar Mal im Monat doch treffen, sind die Folgen in der Regel harmlos, schließlich ist unser Planet von einem magnetischen Schutzschirm umgeben.
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Start einer Falcon-9 Rakete mit 60 Starlink-Satelliten an Bord im Jahr 2019. [© Florida Today/AP | Malcolm Denemark/dpa](https://www.picture-alliance.com/image/84865850)
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Aber prinzipiell können die Auswürfe weit mehr beschädigen als 40 Satelliten – und irgendwann werden sie das vermutlich auch. "Im schlimmsten Fall wäre unsere gesamte Gesellschaft betroffen", sagt Juha-Pekka Luntama, der bei der europäischen Weltraumorganisation Esa das Büro für Weltraumwetter leitet. Denn die Partikel aus der Sonne wärmen bei einer Kollision mit der Erde nicht nur die obere Atmosphäre auf und zaubern zuweilen Polarlichter an den Himmel. Die Ladungswolken strahlen auch starke elektromagnetische Felder aus, die Kurzschlüsse in irdischer Technik hervorrufen können.
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## Eine Eruption, die alle Navigationsdienste lahmlegt
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Wie hart die Erde getroffen werden kann, zeigt das sogenannte Carrington-Ereignis aus dem Jahr 1859. Damals raste eine besonders heftige Sonneneruption in den Magnetschirm der Erde. In Europa und Nordamerika schlugen daraufhin Telegrafenleitungen Funken – und bis hinab in die Karibik tanzten Nordlichter über den Himmel.
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Würde so etwas heute passieren, sagt Luntama, würden viele der knapp 5.000 derzeit aktiven Satelliten beschädigt, in manchen Regionen brächen außerdem die Stromnetze zusammen. Und da mit den Satelliten auch die Navigationsdienste ausfielen, müsste man vorübergehend große Teile des Flug-, Schiffs- und Bahnverkehrs einstellen.
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[Schätzungen](https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1029/2011SW000734) besagen, dass es durchschnittlich einmal pro Jahrhundert zu einem Carrington-ähnlichen Ereignis kommen sollte. "Die Wahrscheinlichkeit pro 11-jährigem Sonnenzyklus liegt bei etwa zehn Prozent", sagt der österreichische Weltraumwetterexperte Möstl. Gerade nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür wieder zu: Die Sonne dreht derzeit nach Jahren der Ruhe wieder auf, 2025 wird sie das Aktivitätsmaximum des aktuellen Zyklus erreichen.
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## Einmal pro Jahrhundert bläst ein Sonnensturm die Lichter aus
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Möstl und andere Forschende plädieren daher dafür, die Sonne besser zu überwachen. Nur so könne man bei einem heraufziehenden Sturm rechtzeitig gefährdete elektronische Systeme herunterfahren. Die Esa hat dazu jüngst eine neue Mission vorgeschlagen, einen Forschungssatelliten [namens Vigil](https://www.esa.int/Safety_Security/Space_weather/Introducing_ESA_Vigil_Earth_s_devoted_solar_defender), der die Sonne aus einem anderen Blickwinkel beobachten soll.
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Freilich studieren auch heute schon Raumsonden von Esa und Nasa die riesige Feuerkugel in der Mitte unseres Sonnensystems. Dank ihnen sah man den Sturm vom 3. Februar bereits fünf Tage vorher aufziehen. "Es handelte sich um eine vergleichsweise langsame Wolke, die nicht wirklich gefährlich aussah", sagt Esa-Experte Luntama. "Wir haben daher keine Warnung dafür herausgegeben, denn normalerweise sind Stürme dieser Kategorie keine Bedrohung."
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Aber in der Nacht auf den 3. Februar veränderte sich die Lage auf einmal: Das Magnetfeld der Ladungswolke richtete sich überraschend so aus, dass es gerade gegenläufig zum Magnetfeld der Erde orientiert war. Beim Kontakt der beiden Magnetfelder entlud sich daraufhin ein Teil der gespeicherten Energie – ein wenig, wie wenn man die Pluspole zweier Stabmagneten zusammenpresst und anschließend loslässt. Die Teilchen aus der Wolke rasten daraufhin unerwartet schnell gen Erde und erhitzten die oberen Luftschichten stärker als erwartet.
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## Nur neun Satelliten konnten sich retten
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Der Luftwiderstand für die kurz zuvor ausgesetzten Starlink-Satelliten habe sich dadurch um 50 Prozent vergrößert, schreibt SpaceX [in einer Mitteilung](https://www.spacex.com/updates/) zu dem Vorfall. Zwar habe man versucht, die pappflachen Satelliten mit der Kante voran fliegen zu lassen, um den Luftwiderstand zu verkleinern. Das habe aber nur bei neun der 49 Neulinge im Orbit gereicht, um sie zu retten. Die anderen würden nun restlos verglühen, sodass keine Teile auf die Erde fallen. Experten wie Luntama halten das für plausibel.
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Alle anderen Satelliten im Orbit scheinen den Sonnensturm dagegen unbeschadet überstanden zu haben. Die meisten von ihnen kreisen deutlich oberhalb von Starlink um die Erde. SpaceX setzt die einzelnen Satelliten seiner "Megakonstellation" bewusst in einer sehr niedrigen Höhe von 210 Kilometern aus, um Weltraumschrott zu vermeiden. Denn bei den in Serie gefertigten Leichtgewichten kommt es immer wieder zu Ausfällen. Nur wenn sie nach Ankunft im All einwandfrei funktionieren, dürfen Starlink-Satelliten mithilfe ihrer Triebwerke in einen höheren Orbit aufsteigen. Defekte Exemplare sinken hingegen hinab in Richtung Atmosphäre, um darin zu verbrennen. Bisher war das [132-mal nötig](https://planet4589.org/space/stats/star/starstats.html).
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Bliebe die Frage, ob es nicht etwas gewagt war, einen neuen Stapel der Satelliten gerade während eines Sonnensturms auszusetzen. In der [*New York Times*](https://www.nytimes.com/2022/02/09/science/spacex-satellites-storm.html) haben einige Experten SpaceX dafür heftig kritisiert: Das Ganze passe gut zur Philosophie des einstigen Start-ups, voll ins Risiko zu gehen und Fehlschläge im Zweifel einfach in Kauf zu nehmen, auch wenn die Kosten dafür mitunter beträchtlich sind (in diesem Fall könnten es bis zu 100 Millionen US-Dollar sein, schätzt der britische Weltraumexperte Hugh Lewis).
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Juha-Pekka Luntama hingegen findet, dass Elon Musks Firma in erster Linie Pech hatte. Schließlich sei nicht absehbar gewesen, dass der Sturm vom 3. Februar auf den letzten Metern derart an Kraft zulegt. "Wir verbessern hier gerade unsere Methoden, um auch solche Fälle besser vorhersagen zu können", sagt Luntama.
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Und Christian Möstl ergänzt, dass es eigentlich zwei aufeinanderfolgende Ladungswolken gewesen seien, die vor Kurzem die Erde trafen. "Die zweite konnte man wahrscheinlich nicht gut sehen", sagt er. Trotzdem sei bei SpaceX wohl auch Mut zum Risiko dabei gewesen, zu diesem Zeitpunkt zu starten – oder schlicht ein mangelndes Bewusstsein dafür, welche Gefahr von Sonnenstürmen ausgeht.
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Reference in New Issue
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